Sichere Gefahrstofflagerung in Sicherheitsschränken

Artikel vom 28. Mai 2020
Entsorgung, Transport und Lagerung von

Im Holzhandwerk gehören neben Holz auch Lack, Beize, Wachs oder Öl zum Arbeitsalltag. Viele dieser Materialien sind sogar als Gefahrstoffe eingestuft. Wie gefährlich ist der Umgang mit entzündlichen oder gesundheitsschädlichen Stoffen? Welche Schutzmaßnahmen sollte jeder Betrieb vornehmen, um seine Mitarbeiter zu schützen? Dieser Beitrag von asecos erläutert rechtliche Vorgaben und praktische Maßnahmen am Beispiel der Schreinerei Eichenhaus AG aus Laufach.

Lack, Beize, Wachs oder Öl sind als Gefahrstoffe eingestuft, gehören aber zum Arbeitsalltag in der Holzverarbeitung. Bild: Asecos/Stefan Gregor

Lack, Beize, Wachs oder Öl sind als Gefahrstoffe eingestuft, gehören aber zum Arbeitsalltag in der Holzverarbeitung. Bild: Asecos/Stefan Gregor

Die Eichenhaus AG ist ein Schreinerbetrieb und Planungsbüro mit über 25 Schreinermeistern, Architekten und Raumgestaltern. Hier werden Möbel nach Maß gefertigt und die Holzstämme aus heimischen Wäldern persönlich vom Kunden ausgewählt. Das Unternehmen legt großen Wert auf die Sicherheit seiner Mitarbeiter. Wie in vielen Handwerksbetrieben lagern auch hier einige Gefahrstoffe direkt am Arbeitsplatz, zum Beispiel Aceton, Öl oder Lack. Das größte Gebinde fasst circa 25 Liter; häufig sind die Stoffe entzündbar.

Es war ein Schlüsselerlebnis, als sich plötzlich ein Öl-Tuch selbst entzündete. Die Mitarbeiter konnten nur durch schnelle und umsichtige Reaktion einen Brand verhindern. Was aber, wenn sie gerade bei Kunden oder in der Mittagspause gewesen wären? Durch die herumliegenden Späne und den Holzstaub hätte sich das Feuer rasant ausbreiten können – zumal weitere entzündbare Gefahrstoffe in unmittelbarer Nähe standen. »Das hat uns die Augen geöffnet und veranlasst, uns intensiver mit der Gefahrstofflagerung auseinanderzusetzen. Uns waren die Risiken nicht vollständig bewusst, die auch vermeintliche Kleinmengen an den Werkbänken verursachen können«, so Christoph Werner, Geschäftsführer der Eichenhaus AG.

Die Eichenhaus AG hat im Arbeitsraum einen Sicherheitsschrank aufgestellt. So wird der häufige lange Gang zum separaten Abstelllager vermieden. Bild: Asecos/Stefan Gregor

Die Eichenhaus AG hat im Arbeitsraum einen Sicherheitsschrank aufgestellt. So wird der häufige lange Gang zum separaten Abstelllager vermieden. Bild: Asecos/Stefan Gregor

Wie Christoph Werner unterschätzen viele Schreiner- und Tischlereien das Gefahrenpotenzial. Ein erster Schritt zu mehr Sicherheit ist eine objektive Einschätzung durch einen Sachverständigen. »Für eine detaillierte Bedarfsanalyse ist eine Vor-Ort-Begehung im alltäglichen Arbeitsablauf wichtig. Nur so können spezifische Anforderungen ermittelt und eine gemeinsame Lösung mit dem Unternehmen besprochen werden«, erläutert Frank Schestak, BDSF-Sachverständiger (Bundesverband Deutscher Sachverständiger und Fachgutachter e.V.).

Die unsachgemäße Lagerung von Gefahrstoffen birgt ein hohes Risiko und kann im Brandfall verheerende Folgen haben. Zum Schutz von Mensch und Umwelt gelten einige wichtige Gesetze, darunter die »Technischen Regeln für Gefahrstoffe (TRGS)«. »Die TRGS 510 beschreibt im Detail die Lagerung von Gefahrstoffen in ortsbeweglichen Behältern und besagt, dass die Mengen bereitgestellter Gefahrstoffe unter anderem auf den Tages- bzw. Schichtbedarf begrenzt sind. Darüber hinausgehende Mengen müssen unter Berücksichtigung der Mengenschwellen nach TRGS 510 rechtskonform gelagert werden«, erläutert der Experte weiter.

Gesetzeskonform lagern

»Eine Möglichkeit, gesetzeskonform zu lagern, bieten Sicherheitsschränke. Diese können direkt in Nähe des Arbeitsplatzes aufgestellt werden und sind gegenüber einem baulichen Brandschutzraum meist kostengünstiger«, ergänzt Schestak. Müssen jedoch große Mengen gelagert werden, bietet sich der Außenbereich zur Aufbewahrung an. Je nach Bedarf kommen hier Gefahrstoffdepots, -regallager oder -container zum Einsatz. Letztere bieten einen direkten Zugang zum Lagergut und ermöglichen das Ab- und Umfüllen direkt im begehbaren Gefahrstofflager.

Am Ende eines Tages sind alle Arbeitsstoffe sicher verstaut. Bild: Asecos/Stefan Gregor

Am Ende eines Tages sind alle Arbeitsstoffe sicher verstaut. Bild: Asecos/Stefan Gregor

Sicherheitsschränke sind darauf ausgelegt, im Brandfall das Risiko der Brandausweitung und die Explosionsgefahr im Arbeitsraum zu minimieren sowie ausreichend Zeit zur Evakuierung zu schaffen. Den bestmöglichen Schutz dafür bieten Schränke mit 90 Minuten Feuerwiderstandsfähigkeit nach Europäischer Norm 14470-1. Diese besitzen wichtige Schutzmechanismen wie das selbsttätige Schließen der Türen im Brandfall, Abluftventile sowie im Brandfall selbstaufschäumende Fugendichtungen. Das kann im Ernstfall nicht nur Leben retten, sondern auch die Existenz. Denn gerade bei Schreiner- und Tischlereien ist eine hohe Brandlast vorhanden – nicht zuletzt durch die Holzvorräte, die zur Verarbeitung trocken gelagert werden.

»Trotz der bekannten Risiken und der hohen Brandlast wird der Gefahrstofflagerung in vielen Holzbetrieben noch wenig Bedeutung beigemessen. Daher ist es wichtig, Arbeitgeber und Arbeiternehmer für den Umgang mit Gefahrstoffen zu sensibilisieren«, appelliert der Sachverständige.

Die Eichenhaus AG hat nach dem Beinahebrand reagiert und im Arbeitsraum einen Sicherheitsschrank aufgestellt. So wird der häufige lange Gang zum separaten Abstelllager vermieden und am Tagesende sind alle Arbeitsstoffe sicher verstaut. »Für unsere ölhaltigen Putztücher haben wir außerdem entsprechende Entsorgungsbehälter angeschafft. Selbstschließende Deckel und Lüftungsöffnungen am Bodenrand der Behälter schützen vor entstehenden Bränden oder Selbstentzündung«, berichtet Christoph Werner.

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