Häfele geht mit neuem Logistikzentrum in die Zukunft
Teile und Beschläge vorwiegend aus Metall
Am Stammsitz Nagold hat Häfele am 17. Juli 2026 ein hochautomatisiertes Versandzentrum eröffnet. Damit schafft das Unternehmen die Grundlage für weiteres Wachstum.

V. l.: Staatssekretär Thomas Dörflinger, Landtagsabgeordneter Carl Christian Hirsch, Landrat Helmut Riegger, Häfele-CEO Gregor Riekena, Sibylle Thierer (Vorsitzende des Häfele-Verwaltungsrats), Boris Katic (Geschäftsführender Direktor für die Supply Chain), Michael Distl (Geschäftsführender Direktor Finanzen, Personal, Recht, Facility Management, IT), Nagolds Oberbürgermeister Jürgen Großmann und Logistikleiter Matthias Wehle bei der offiziellen Eröffnung des Logisitkzentrums (Bild: Kuhn).
Logistik fällt meist erst dann auf, wenn sie nicht funktioniert. Solange Aufträge vollständig, fehlerfrei und pünktlich beim Kunden eintreffen, bleiben die dahinterliegenden Prozesse weitgehend unsichtbar. Für Häfele ist genau diese vermeintlich unsichtbare Leistung jedoch zu einem zentralen Wettbewerbsfaktor geworden. Am Stammsitz in Nagold hat das Familienunternehmen deshalb am 17. Juli den ersten Bauabschnitt seines neuen Logistikbereichs eröffnet. Es handelt sich dabei um die größte Investition in der Unternehmensgeschichte und zugleich um einen wichtigen Baustein der Strategie für das zweite Unternehmensjahrhundert.
Gut für die Region
Diesen Gedanken griff auch Sibylle Thierer, Vorsitzende des Verwaltungsrats und Gesellschafterin, während der Eröffnungsfeier auf. Für sie ist das Projekt Ausdruck des Selbstverständnisses eines Familienunternehmens, das Verantwortung nicht nur für wirtschaftlichen Erfolg übernimmt, sondern ebenso für seine Mitarbeitenden, den Standort Nagold und die gesamte Region.

Sibylle Thierer, Vorsitzende des Verwaltungsrats, ordnete den Neubau in ihrer Rede als größte Investition in der Unternehmensgeschichte ein (Bild: Häfele).
Das neue Versandzentrum sei deshalb weit mehr als eine Investition in Gebäude und Technik – es sei ein Bekenntnis zur Zukunft des Unternehmens und zum Wirtschaftsstandort Deutschland. Gleichzeitig hob sie hervor, dass ein Projekt dieser Größenordnung nur durch die enge Zusammenarbeit aller Beteiligten möglich gewesen sei – von den Mitarbeitenden über die Projektpartner bis hin zur Stadt Nagold.
Für Gregor Riekena, Vorsitzender der Geschäftsleitung, ist das neue Versandzentrum ein »Möglichmacher« der Unternehmensstrategie. In seiner Rede hob er auch Beschläge als Möglichmacher hervor, die aus einzelnen Brettern erst ein funktionierendes Möbelstück entstehen lassen.

Gregor Riekena, CEO von Häfele, stellte den Neubau des Logistikgebäudes als wichtigen Meilenstein der Unternehmensstrategie heraus (Bild: Häfele).
In ähnlicher Weise werde auch das neue Logistikzentrum zum Bindeglied, das die gesamte Wertschöpfung schneller, effizienter und flexibler mache. Gleichzeitig soll der Standort künftig weit über klassische Logistik hinausreichen. Mit dem Einzug der Häfele Akademie sowie neuer Innovationsflächen entsteht ein Ort, an dem Kunden, Partner und Mitarbeitende gemeinsam an den Raumkonzepten der Zukunft arbeiten können.
Auch aus politischer Sicht wurde die Bedeutung des Projekts unterstrichen. Staatssekretär Thomas Dörflinger bezeichnete funktionierende Logistik als einen Bereich, der häufig erst dann wahrgenommen werde, wenn er nicht funktioniere.

Wirtschaftsstaatssekretär Thomas Dörflinger betonte die Tragweite des Projekts und die zukunftsweisenden, positiven Botschaften, die damit für den Wirtschaftsstandort Baden-Württemberg verbunden sind (Bild: Häfele).
Gerade deshalb seien Investitionen in moderne Logistik von zentraler Bedeutung für die Wettbewerbsfähigkeit des Industriestandorts Baden-Württemberg. Dass Häfele trotz anspruchsvoller wirtschaftlicher Rahmenbedingungen in ein solches Projekt investiere, wertete er als wichtiges Signal – nicht nur für die Region, sondern auch für Baden-Württemberg.
Hochautomatisiertes Shuttlelager als Herzstück
»Im Zentrum der neuen Anlage steht ein hochautomatisiertes Shuttlelager. Rund 96.000 Warentransportbehälter werden auf 33 Ebenen in vier Regalgassen gelagert. 132 selbstfahrende Shuttles übernehmen den Transport innerhalb des Systems. Sie erreichen Geschwindigkeiten von gut 14 km/h und ermöglichen die Ein- und Auslagerung von bis zu 2038 Behältern pro Stunde«, erläuterte Boris Katic, Geschäftsführender Direktor Supply Chain Management, in seiner Rede.

»Wir eröffnen heute weit mehr als eine Logistikerweiterung – wir beginnen ein neues Kapitel für Häfele und für die Region.« Mit diesen Worten begrüßte Boris Katic, Mitglied der Geschäftsleitung und verantwortlich für die Logistik bei Häfele, die Gäste des Eröffnungsevents (Bild: Häfele).
Für weiteres Wachstum sei bereits zusätzliche Fläche vorgesehen. Perspektivisch kann die Kapazität auf etwa 150.000 Behälter erweitert werden.

Blick ins Shuttlelager (Bild: Häfele).
Die hohe Leistung ist angesichts des Sortiments besonders relevant. Häfele führt rund 150.000 Artikel und bearbeitet täglich zahlreiche Aufträge mit individuell zusammengestellten Positionen. Hinzu kommen bis zu 30.000 Beschlagbeutel pro Tag. Damit muss die Logistik nicht nur große Mengen bewegen, sondern auch eine außergewöhnlich hohe Variantenvielfalt beherrschen.

Logistikleiter Matthias Wehle erläutert die Funktionsweise des automatisierten Shuttlelagers, das rechts zu sehen ist (Bild: Kuhn).
Das neue System arbeitet nach dem Prinzip Ware zur Person. Früher legte das Personal lange Wege durch das Lager zurück, um Artikel zu entnehmen. Heute bringt die Fördertechnik die benötigten Behälter automatisch an den jeweiligen Arbeitsplatz. Die Wegzeiten sinken deutlich, während Durchsatz und Prozesssicherheit steigen. »Dadurch sind wir viermal schneller und es können mehr Bestellungen pro Tag abgearbeitet werden«, so Katic.
Ergonomische Kommissionierung
Die Kommissionierung erfolgt an zehn höhenverstellbaren Arbeitsplätzen. Sowohl die Warenbehälter als auch die vorgesehenen Versand- oder Taxikartons werden automatisch bereitgestellt. Dadurch entfallen viele körperlich belastende Tätigkeiten wie weite Laufwege, häufiges Bücken oder unnötiges Heben. Ein Pick-by-Light-System unterstützt dabei den Prozess. So können bis zu vier Aufträge parallel bearbeitet werden, ohne dass die Übersicht verloren geht. Gerade bei Bestellungen mit vielen Positionen reduziert diese Unterstützung das Fehlerrisiko und erleichtert gleichzeitig die Einarbeitung. Bei weiterem Wachstum ist noch Platz für sechs zusätzliche Kommissionierplätze vorgesehen.

Einer der zehn ergonomischen Arbeitsplätze, der automatisch mit Kartonagen und behältern versorgt wird (Bild: Häfele).
Die Automatisierung endet nicht an diesen Arbeitsplätzen. Eine durchgängige Fördertechnik verbindet Shuttlelager, Kommissionierung, Verpackung und Versand. Behälter und Pakete bewegen sich automatisch durch die Anlage, während sämtliche Informationen digital mitgeführt werden. Aus einer früher überwiegend manuellen Versandtätigkeit entsteht damit ein industriell organisierter Prozess. »Die früher zu beherrschende Technik war ein Klebebandroller«, erläutert Logistikleiter Matthias Wehle mit einem Augenzwinkern während der Führung. »Im neuen Versandzentrum sind es verkettete Anlagen, die die Effizienz deutlich verbessern. Früher haben wir Pakete gepackt, heute ›produzieren‹ wir sie regelrecht.«
Bedarfsgerechte Paketproduktion
Besonders konsequent hat Häfele auch die Verpackung neu gedacht. Eine Software berechnet für jeden Auftrag automatisch die geeignete Kartongröße. Während früher etwa 30 verschiedene Formate eingesetzt wurden, kommt das neue System mit drei Grundgrößen aus.

Logistikleiter Matthias Wehle zeigt, wie heute 20 Prozent Volumen eingespart werden (Bild: Kuhn).
Nach der Befüllung verhindert eine Zwischenlage aus Karton das Verrutschen der Ware. Danach werden die Kartons automatisch bis knapp über die Zwischenlage gefaltet. Dadurch sinkt das Versandvolumen im Durchschnitt um etwa 20 Prozent und es kann auch komplett auf Luftpolsterfolie verzichtet werden. »Damit verlässt ein Lkw weniger pro Tag das Werk, was im Jahr einer Strecke von etwa sechsmal um die Welt entspricht«, beschreibt Boris Katic den ökonomischen und ökologischen Vorteil. Versandbelege und Etiketten werden ebenfalls automatisch erstellt und angebracht.
Neben dem Shuttlelager bildet die Beutelkommissionierung einen weiteren wichtigen Baustein. Acht automatisierte Anlagen stellen täglich bis zu 30.000 Beschlagbeutel zusammen. Die Anlagen prüfen sowohl den Inhalt als auch die Schweißnaht jedes einzelnen Beutels. Bei Bedarf können Mitarbeitende Aufträge manuell ergänzen, sodass die Automatisierung nicht zulasten der Flexibilität geht. Das eingesetzte Beutelmaterial enthält bis zu 80 Prozent Rezyklatanteil. Auch die Behälter des Shuttlelagers bestehen aus Recyclingkunststoff. Ausgediente Behälter werden regranuliert und in den Materialkreislauf zurückgeführt.
Nachhaltigkeit beginnt beim Gebäude
Das Nachhaltigkeitskonzept beschränkt sich nicht auf die Logistikprozesse. Bereits beim Bau wurden große Materialmengen wiederverwendet. Rund 28.000 Tonnen Abbruchmaterial kamen erneut zum Einsatz. Der Aushub wurde unter anderem für die Gestaltung der Parkflächen verwendet, während zerkleinerte Baustoffe aus früheren Gebäuden für die Fundamente verwendet wurden.
Der Gebäudekomplex ist nach KfW-40-Standard geplant, was für ein Logistikprojekt dieser Größenordnung ungewöhnlich ist. Fotovoltaikanlagen auf Dach und Fassade, Wärmepumpen und ein großer Eisspeicher unter dem Gebäude bilden das energetische Rückgrat. Im Bereich Wärme und Kälte ist der Standort bilanziell energieautark ausgelegt.
Bei der Planung spielte auch die langfristige Nutzbarkeit eine wichtige Rolle. Das Gebäude soll sich an veränderte Anforderungen anpassen können und nicht dauerhaft auf eine einzige Funktion festgelegt sein. Diese Flexibilität (»atmendes Gebäude«) verlängert die Lebensdauer der Immobilie und reduziert das Risiko späterer aufwendiger Umbauten.
Mehr als ein Versandzentrum
Mit der Eröffnung der Logistik ist das Gesamtprojekt auf dem Nagolder Wolfsberg noch nicht abgeschlossen. Bis 2028 sollen weitere Gebäudeteile hinzukommen. Geplant sind ein Showroom, eine Akademie, Gastronomie, Veranstaltungsflächen sowie mehr als 2000 m² für Innovation und Werkstätten. Auch eine öffentlich zugängliche Aussichtsplattform ist vorgesehen.

Über 300 Gäste feierten am 17. Juli 2026 die Eröffnung des Versandzentrums (Bild: Kuhn).
Der Standort soll damit zu einem offenen Campus werden, auf dem Häfele gemeinsam mit Kunden, Lieferanten, Hochschulen, Start-ups und weiteren Partnern neue Lösungen entwickelt. Die Logistik bildet dafür die operative Grundlage. Sie verbessert Lieferfähigkeit und Reaktionsgeschwindigkeit, schafft aber zugleich räumliche und organisatorische Voraussetzungen für Zusammenarbeit und Innovation.
Die Investition stärkt nicht nur den Stammsitz Nagold. Gemeinsam mit dem Standort Lehrte und weiteren europäischen Einheiten entsteht ein leistungsfähigeres Logistiknetzwerk. Ziel sind kürzere Durchlaufzeiten, mehr Flexibilität und robustere Lieferketten. Auch spät eingehende Kundenaufträge sollen künftig noch am selben Tag bearbeitet und versendet werden können. Damit wird die neue Anlage zu einem zentralen Baustein der Strategie 2030, mit der sich Häfele stärker als Lösungs- und Servicepartner positioniert, der Produkte, digitale Technologien und Dienstleistungen miteinander verbindet. Eine leistungsfähige Logistik ist dafür unverzichtbar.




