Nachfolge im Handwerk: klare Regeln für die Betriebsübernahme

Artikel vom 21. August 2026
Beratungen

Die Handwerkskammer Konstanz zeigt am Beispiel der Metallbauerin Bianca Fattler, wie klare Verträge und eine schrittweise Übergabe den Generationswechsel im Handwerksbetrieb erleichtern. Ergänzend gibt es kostenfreie Beratungen und Seminare zur Nachfolge.

Bianca Fattler (re.) hat die Kunstschmiede von ihrem Vater übernommen. Damit ist sie Vorbild für andere, denn bei ihr bewerben sich auch Mädchen für Praktika oder Ausbildung (Bild: Kunstschmiede B&J Fattler).

Bianca Fattler (re.) hat die Kunstschmiede von ihrem Vater übernommen. Damit ist sie Vorbild für andere, denn bei ihr bewerben sich auch Mädchen für Praktika oder Ausbildung (Bild: Kunstschmiede B&J Fattler).

Als Bianca Fattler den Familienbetrieb übernahm, fühlte es sich zunächst ungewohnt an, vertraglich festzulegen, wann ihr Vater künftig die Werkstatt betreten darf. Nach 17 Jahren als Geschäftsführerin würde die Metallbauerin diesen Schritt trotzdem wieder gehen. Nicht, weil sie je auf die Vereinbarungen pochen musste, sondern weil ihr der rechtliche Rahmen Sicherheit für ihr Handeln gab.

Vater Manfred Fattler blieb im Übergabeprozess eine wichtige Stütze für die Meisterin der Metallgestaltung und ihren Mann Johannes. Beide teilen sich heute die Geschäftsführung der Fattler Kunstschmiede in Schönwald. »Mein Vater hat den Betrieb aufgebaut und ihn uns schrittweise übergeben. Er hat uns alles ermöglicht und unkompliziert mit uns nach Lösungen gesucht«, sagt Bianca Fattler. »Auch heute steht er noch ab und an in der Schmiede an der Esse, mit 81 Jahren.«

Verträge unter Schwestern

Auch die Eigentumsverhältnisse mit den beiden Schwestern regelte die Familie vertraglich. Der Steuerberater empfahl, alles festzulegen, solange alle gut miteinander reden können. Zunächst habe die Familie darüber geschmunzelt, dann aber tatsächlich die entscheidenden Punkte geregelt. So entstand ein verlässlicher Rahmen für den Übergang.

Ursprünglich plante keine der drei Schwestern, den Betrieb zu übernehmen. Bianca Fattler begann nach der Schule zunächst eine Ausbildung zur Krankenschwester. Nach zwei Jahren merkte sie jedoch, dass Schichtdienst und Nachtwachen sie stark belasteten. Daraufhin fragte sie ihren Vater, ob er sie ausbilden würde. Er stimmte zu, unter der Bedingung, dass sie nach der Gesellenprüfung entscheide, ob sie den Betrieb übernimmt.

In der Ausbildungszeit lernte sie ihren späteren Mann Johannes kennen, der zeitgleich Metallbauer wurde. Betriebsübernahme, Meistertitel und Familiengründung fielen später in einen engen Zeitraum: 2009 übernahm das Paar gemeinsam die Kunstschmiede – mit zwei Meistertiteln und zwei kleinen Söhnen. Anfangs habe es zwischen Vater und Tochter etwas geruckelt. »Wir mussten erst einmal lernen, wie es richtig geht, als Vater-Tochter-Team«, erinnert sich Bianca Fattler. Danach habe sich die Zusammenarbeit gut eingespielt.

Rückhalt durch Familie und Partnerschaft

Der Vater arbeitete länger mit, um dem jungen Unternehmerpaar den Start zu erleichtern. Lange lebten drei Generationen unter einem Dach, direkt neben der Schmiede. Die Mutter unterstützte bei der Betreuung der Kinder. Elternzeit sei für die Selbstständigen nicht möglich gewesen.

Richtung und Rückhalt gibt Bianca Fattler auch die Zusammenarbeit mit ihrem Mann. Entscheidungen und Probleme gemeinsam besprechen zu können, ist ihr wichtig. Den Wechsel vom Krankenhaus in die Schmiede hat sie nicht bereut. Sie schätzt die Abwechslung und die Möglichkeit, mit den Händen schöne Dinge zu schaffen.

Auch anderen Frauen möchte sie Mut machen, das Handwerk auszuprobieren. »Ich kann jedem Mut machen, das einmal auszuprobieren. Und wenn etwas doch zu schwer ist, gibt es immer einen Trick, mit dem auch zierliche Frauen zum Ziel kommen. Man darf immer um Hilfe bitten, wenn man an seine Grenzen stößt«, betont sie. »Es gar nicht erst zu versuchen, wäre ein großer Fehler.«

Seminare zur Betriebsnachfolge

Rund 3000 Betriebe im Bezirk der Handwerkskammer Konstanz suchen in den nächsten fünf Jahren eine Nachfolge. Eine neue Unternehmensbörse der Handwerkskammern in Baden-Württemberg aus der Kampagne »Next Generation Handwerk« soll die Suche nach geeigneten Kandidatinnen und Kandidaten erleichtern. Interessierte können sich kostenfrei registrieren unter www.nachfolge-im-handwerk.de.

Ergänzend werden kostenfreie Seminare angeboten: Am 14. Oktober von 16 bis 17 Uhr geht es im Web-Seminar um die neue Unternehmensbörse und darum, was Übernehmende und Übergebende wissen müssen. Am 16. Oktober von 14 bis 17 Uhr folgt in der Bildungsakademie Singen das Seminar »Betriebsübernahme erfolgreich starten«. Ein weiterer Termin findet am 20. November von 14 bis 17 Uhr in der Bildungsakademie Rottweil statt.

Teilen
PDF-Download
Weiterempfehlen
Drucken
Anzeige Hersteller aus dieser Kategorie