HDH: Standortkosten belasten Holz- und Kunststoffindustrie

Artikel vom 7. September 2026
Ausbildung und Fortbildung

Hohe Standortkosten, Baukrise und Konsumzurückhaltung setzen die Holz- und Kunststoffindustrie unter Druck. Der HDH verweist auf sinkende Betriebs- und Beschäftigtenzahlen, erste Signale aus dem Bausegment und fordert geringere Belastungen am Standort Deutschland.

HDH-Hauptgeschäftsführer Dr. Denny Ohnesorge (Bild: HDH).

HDH-Hauptgeschäftsführer Dr. Denny Ohnesorge (Bild: HDH).

Hohe Standortkosten, die Baukrise und zurückhaltender Konsum belasten die Branche rund um den Werkstoff Holz sowie die Kunststoff verarbeitende Industrie in Deutschland. Der Hauptverband der Deutschen Holzindustrie und Kunststoffe verarbeitenden Industrie und verwandter Wirtschaftszweige (HDH) e. V. fordert daher mehr Tempo bei Reformen und geringere Kosten für Unternehmen am Standort Deutschland.

Beschäftigung und Betriebe gehen zurück

Im ersten Halbjahr 2026, so verweist der Verband auf Zahlen des Statistischen Bundesamts, sank der Umsatz der Betriebe mit mehr als 50 Beschäftigten in der Holzindustrie gegenüber dem Vorjahreszeitraum um 0,4 % auf knapp 18 Milliarden Euro. Die Zahl der Betriebe ging um 4 % zurück, die Beschäftigung um 3,5 %. Seit Beginn der Corona-Pandemie im Jahr 2020 habe die Branche damit mehr als 20.000 Arbeitsplätze verloren, was fast 15 % entspreche. Der größte Teil davon entfiel auf die Möbelindustrie.

In der Kunststoff verarbeitenden Industrie stieg der Umsatz im selben Zeitraum um 2,9 % auf rund 32,3 Milliarden Euro. Gleichzeitig sank auch hier die Zahl der Betriebe um 1,3 %, die Beschäftigtenzahl ging um 1,2 % zurück. Die Umsatzentwicklung allein zeige damit nicht die gesamte Lage, denn steigende Kosten belasten die Erträge der Unternehmen weiter.

Bausegment stabilisiert sich nur langsam

Im baunahen Bereich zeichnet sich eine vorsichtige Stabilisierung ab. Die Umsätze lagen im ersten Halbjahr 2026 nur noch 0,3 % unter dem Vorjahresniveau. In den vergangenen Monaten zeigte die Entwicklung bereits nach oben. Dazu passe die Belebung bei den Baugenehmigungen. Bei den Fertigstellungen ist diese Trendwende laut Mitteilung jedoch noch nicht angekommen.

Die Rohholz verarbeitenden Industrien stehen trotz leichter Umsatzzuwächse weiter unter Druck. Als Gründe nennt die Mitteilung gestiegene Rohstoffpreise und eine anhaltend schwierige Absatzsituation.

Verband fordert Entlastung

»Die wirtschaftliche Lage bleibt für unsere Branchen äußerst herausfordernd«, erklärt HDH-Hauptgeschäftsführer Dr. Denny Ohnesorge. »Getragen wird das für 2026 erwartete Wirtschaftswachstum in Deutschland fast ausschließlich von gestiegenen öffentlichen Investitionen. Die private Bautätigkeit und der private Konsum hingegen bleiben schwach. Genau davon hängt die Holz- und Kunststoffindustrie überdurchschnittlich ab. Sollten sich Marktsituation und Produktionsbedingungen nicht bessern, drohen weitere Betriebsschließungen. Die Bundesregierung ist mit ersten Reformschritten auf dem richtigen Weg, aber jetzt kommt es darauf an, die Standortkosten zu verringern. Denn aufwendige EU-Vorgaben wie die europäische Verpackungsverordnung, die Ökodesign-Verordnung in Verbindung mit dem einzuführenden digitalen Produktpass sowie hohe Sozialabgaben und Energiekosten machen den Standort Deutschland für viele Unternehmen schlicht zu teuer.«

Zusätzlichen Druck erzeugen internationale Zoll- und Handelskonflikte. Besonders betroffen sind laut Verband der Parkett- und Möbelbereich. Der Importdruck aus Fernost bleibt hoch: Der Auslandsanteil am deutschen Möbelmarkt liegt inzwischen bei 60 %, 2019 waren es 44 %. »Diese Importe werden häufig unter deutlich niedrigeren Sozial- und Nachhaltigkeitsstandards produziert. Mit diesen Bedingungen können heimische Produzenten kaum mithalten«, so Ohnesorge.

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